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Welt der Viren in Natur, Biotechnik und Medizin

Welt der Viren in Natur, Biotechnik und Medizin

Tagung des LOEWE-Zentrums für Synthetische Mikrobiologie (SYNMIKRO) an der Philipps-Universität Marburg zum Thema Viren

Die „Welt der Viren in Natur, Biotechnik und Medizin“ wurde im Rahmen der Jahrestagung des LOEWE-Zentrums für Synthetische Mikrobiologie (SYNMIKRO) beleuchtet. Die Tagung wurde ausgerichtet von Prof. Dr. Anke Becker, Prof. Dr. Stephan Becker und Dr. Lennart Randau. Eingeladene Sprecher gaben einen faszinierenden Überblick über die Vielfalt der Interaktionen von Viren mit unterschiedlichsten Wirtsorganismen und zeigten auch mögliche Anwendungsmöglichkeiten von Viren auf.

Viren lassen sich in allen Lebensräumen finden, infizieren nahezu alle zellulären Lebewesen und sind diesen zahlenmäßig deutlich überlegen. Damit repräsentieren diese infektiösen Partikel die häufigsten biologischen Einheiten unserer Erde, werden aufgrund eines fehlenden Stoffwechsels aber nicht zu den Lebewesen gezählt. Matthias Fischer aus Heidelberg zeigte gleich im ersten Vortrag, dass die Definition von Viren dabei sehr flexibel gehandhabt werden muss. Seine Gruppe untersucht Riesenviren, die „Virenfabriken“ im Innern von Einzellern bilden und damit kleinere Viren anziehen, die wiederum diese Riesenviren befallen können. Dabei verleiht der kleine Virus seinem Wirt Immunität gegen das Riesenvirus. Weitere faszinierende Abwehrmechanismen gegen Viren wurden auch in anderen Vorträgen beschrieben. So skizzierte der Mikrobiologe Sean Meaden aus Exeter wie Bakterien mit Viren (Phagen) interagieren. Bakterien setzen dabei auch antivirale Immunsysteme namens CRISPR-Cas ein, die gezielt von viralen Anti-CRISPR-Proteinen blockiert werden können. Dieses Kräftemessen beider Antagonisten kann nun im Schüttelkolben nachvollzogen werden. 

Die Fähigkeit von Phagen, gezielt bakterielle Wirtszellen zu infizieren, kann genutzt werden, um unerwünschte Bakterien zu eliminieren. Dabei berichtete Steven Hagens über den Einsatz von Phagen, um schädliche Keime von Lebensmitteln zu entfernen. Dieser industrielle Prozess sei unterschiedlichen Regularien in verschiedenen Ländern unterworfen. Gleiches gilt für den Einsatz von Phagen gegen humanpathogene Bakterien, die oftmals resistent gegenüber Antibiotikabehandlungen sind. Die Mediziner Hans-Peter Horz von der Uniklinik RWTH Aachen und Johannes Wittmann vom Leibniz-Institut DSMZ berichteten über Herausforderungen und Chancen für diese sogenannte Phagentherapie.

Spezielle Virus-Wirt-Interaktionen wurden genauer beleuchtet. Dabei ging es um Arboviren, die Fliegen befallen und ihr Verhalten beeinflussen können (Stefanie Becker, Hannover), Viren die bei extrem heißen Temperaturen und saurem Milieu agieren (Xu Peng, Kopenhagen) und hochpathogene RNA-Viren (Friedemann Weber, Giessen). RNA-Viren waren auch das zentrale Thema von Marco Vignuzzi vom Pasteur-Institut Paris. Die hohe Mutationsrate von RNA-Genomen konnte genutzt werden, um die Evolution der Viren im Labor und am Computer zu verfolgen. Er postulierte, dass Designer-Viren, die mit einfachen Mutationen vermehrt Stop-Codons in Genen erzeugen, genutzt werden könnten, um tödliche RNA-Viren zu kontrollieren.

In allen Vorträgen wurde klar, wie spannend das wieder aktiver werdende Feld der Virenbiologie ist und wie Grundlagenforschung zu Infektionsprozessen und Abwehrmechanismen neue biologische Konzepte aufdecken kann.

Die Jahrestagung des LOEWE-Zentrums für Synthetische Mikrobiologie (SYNMIKRO) fand nun schon zum dritten Mal im Kino „Cineplex“ im Marburger Zentrum statt und bot ideale Gelegenheit für den Austausch von Neuigkeiten aus der Welt der Viren in ungewohnter Atmosphäre. Da im Kino Viren wohl am ehesten als „Killerseuche“ in Endzeitfilmen vorkommen, bot die Tagung ein gelungenes Kontrastprogramm, dass der Vielfältigkeit und Faszination der Virenbiologie gerecht wurde. Die Veranstalter bedanken sich für eine sehr erfolgreiche Tagung und freuen sich auf eine Fortsetzung der Tagungsreihe im nächsten Jahr.

 

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