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Heisenberg-Professur für Peter Kolb

Heisenberg-Professur für Peter Kolb

Biochemiker und SYNMIKRO-Mitglied erforscht neue Arzneimittelwirkstoffe


Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat Peter Kolb eine Heisenberg-Professur für Pharmazeutische Chemie verliehen. Das Heisenberg-Programm fördert Wissenschaftler, die sich durch exzellente Forschung hervorgehoben und für die Berufung auf eine unbefristete Professur qualifiziert haben. Die Professur wird über fünf Jahre – mit einer Zwischenevaluation nach drei Jahren – gefördert. Voraussetzungen für ihre Verleihung sind, dass die Professur eine strukturelle Weiterentwicklung für die Universität darstellt und nach der Förderphase in den regulären Etat der Philipps-Universität Marburg überführt wird. 

Prof. Dr. Kolb befasst sich mit der computergestützten Wirkstofffindung für Arzneimittel. Schwerpunkt ist die Suche nach Liganden, also Molekülen, die die Aktivität von Proteinen, an die sie binden, verändern können. Kolb betrachtet zwei Zielproteinklassen: G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR) und Kinasen. Die Wirksamkeit und Nebenwirkungen von solchen Liganden – und letztlich von Medikamenten -- hängen davon ab, wie und mit welchen Proteinen sie interagieren. Kleine Veränderungen in den Proteinbindetaschen können zum Beispiel dazu führen, dass die Bindung eines Wirkstoffs unmöglich wird und es zu Wirkstoffresistenzen kommt. „Es ist daher von großem Interesse, ein umfassendes Verständnis der Molekül-Protein-Interaktionsprofile im molekularen Detail zu bekommen und diese Profile mit Signal- und Stoffwechselwegen zu verknüpfen“, erläutert Kolb die Bedeutung seiner Forschung für die Medikamentenentwicklung.

Das Wissenschaftler-Team um Kolb durchsucht Datenbanken von bereits existierenden Molekülen nach passgenauen Liganden für bestimmte Bindetaschen. „Dabei erzielen wir sehr hohe Trefferquoten“, betont Kolb. Er arbeitet aber auch mit einem Fragment basierten Ansatz, zum Beispiel mit einer Datenbank von Molekülen, die sich nachfolgend aus zwei Bausteinen herstellen lassen. Im Rahmen seiner Heisenberg-Professur wird Kolb die Interaktion zwischen GPRCs, das sind Membranproteine, die Signale übertragen, und Liganden genau untersuchen. Das Ziel ist vorherzusagen, ob die jeweiligen Liganden die Signale verstärken oder dämpfen können. „Wir wollen aber darüber hinaus auch bereits von uns gefundene Liganden für eine Reihe von Rezeptoren medizinalchemisch optimieren“, sagt Kolb. Dazu plant er, in seinem Labor Möglichkeiten für den Aufbau chemischer Verbindungen zu schaffen.

Kolbs Arbeitsgruppe ist in der Philipps-Universität Marburg mit dem LOEWE-Schwerpunkt Synchembio verbunden; des Weiteren ist Kolb wissenschaftliches Mitglied im LOEWE-Zentrum SYNMIKRO. Er ist außerdem Vorsitzender des europaweiten Netzwerks GLISTEN, in dem sich Forscher/innen  mit der Proteinfamilie der GPRCs beschäftigen.

Peter Kolb studierte Biochemie und Theoretische Chemie und promovierte 2006 an der Universität Zürich im Bereich der computergestützten Wirkstoffentwicklung. Nach Forschungsaufenthalten in der Schweiz und den USA leitete er ab 2011 eine von der DFG geförderte Emmy Noether-Nachwuchsgruppe an der Philipps-Universität Marburg.

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